Lisette Lombé veröffentlicht ihr siebtes Gedicht
Lisette Lombé enthüllt heute „Essen“, ihr siebtes Gedicht als Dichterin von Belgien das während ihres Aufenthalts in der Villa Valmont, Haus für Literatur und Landschaften in Bordeaux, entstanden ist. Sie teilt hier mit uns, was dieses Gedicht inspiriert hat :
Als ich in die Schreibresidenz einziehe, schotte ich mich von der Aktualität und den üblichen Alltäglichkeiten ab. Die ganz der Kreativität vorbehaltene Zeit ist so kostbar, dass ich sie sorgsam bewache. Die Nachrichten aus der Welt erreichen mich also mit Verzögerung. Es war in der Villa Valmont im Lormont, bei Bordeaux, wo ich vom Tod des kleinen Fabian erfahren habe, 11 Jahre, erfasst von einem Polizeiwagen nach einer Kontrolle seines Elektrorollers, bei einer Verfolgungsjagd in einem Park in Ganshoren. Als Mutter, mixed-raced Frau, oft auf den Barrikaden, Bürgerin, die sich gegen Polizeigewalt wehrt, war ich über die Umstände entsetzt, unter denen dieses Kind ums Leben gekommen ist. Als ich am nächsten Tag gerade Besorgungen machte, begegnete ich einem Jungen auf einem gleichartigen Roller. Offenbar im selben Alter. Ein Baguette und eine Flasche Milch unterm Arm. Vermutlich noch kurz vor Ladenschluss von seiner Mutter losgeschickt. Ich musste an Fabian denken. Ich musste an den Sohn meiner Schwester denken, an meine eigenen Söhne, an die meiner Freundinnen.
Knoten im Bauch, Tränen, aufeinandergepresste Kiefer.
Zurückgehen und schreiben.

