„Die Nacht, Der Kampf“ ist das elfte Gedicht von Lisette Lombé in ihrer Rolle als Dichterin bon Belgien. Bevor wir in diesen Text eintreten, vertraut uns die Autorin einige Worte über ihre Herkunft an, über das, was wacht, wenn alles sich verdunkelt.
Ich bin von Menschen umgeben, die für Dinge empfänglich sind, die sich dem Rationalen, dem Sichtbaren, im engeren Sinne Greifbaren unseres Daseins entziehen. Diese Menschen sind Botinnen, Brücken, Durchgänge. Für sie wollen Träume, Begegnungen, Prüfungen gedeutet werden. Manche von ihnen haben etwas mit Lyrik zu tun, andere überhaupt nicht.
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Rede vom 29. Januar 2020 für Nationaler Dichter
Die berühmten Verse „Lasst hier mich weinen, in Erinnerung an die geliebte Person, hier bei den verwehten Sanddünen zwischen Haumal und Aldachul“ stammen von dem arabischen Dichter und Prinzen Imru’ al-Qais. Imru’ al178 Qais starb 540 n. Chr. Sein kurzes Leben als Prinz war von der Zerrissenheit zwischen der Dichtkunst und der Politik gekennzeichnet. Arabische Dichter genossen aber auch dann hohes Ansehen, wenn sie nicht als Prinzen in der Wüste geboren worden waren, und selbst der König wandte sich um Rat an sie. Ihren Ruf verdankten sie endlosem Rezitieren am nächtlichen Lagerfeuer. Von jeher galt die Poesie als Archiv der Moral, der Sitten, der Sprache und der Geschichte der Gemeinschaft.*3 Das zweijährige Amt des Nationalen Dichters verlangt von dem oder der Auserkorenen natürlich nicht, dass er oder sie dem König und den Politikern Ratschläge erteilt. In einem Land, in dem seit Jahrzehnten immer wieder Krisen zwischen den verschiedenen Sprachgemeinschaften ausgelöst werden, um andere Missstände zu vertuschen, hat ein Nationaler Dichter im Gegensatz zu den Politikern keine Sekunde zu verlieren.