Lisette Lombé präsentiert „Die Nacht, Der Kampf“
„Die Nacht, Der Kampf“ ist das elfte Gedicht von Lisette Lombé in ihrer Rolle als Dichterin bon Belgien. Bevor wir in diesen Text eintreten, vertraut uns die Autorin einige Worte über ihre Herkunft an, über das, was wacht, wenn alles sich verdunkelt.
Ich bin von Menschen umgeben, die für Dinge empfänglich sind, die sich dem Rationalen, dem Sichtbaren, im engeren Sinne Greifbaren unseres Daseins entziehen. Diese Menschen sind Botinnen, Brücken, Durchgänge. Für sie wollen Träume, Begegnungen, Prüfungen gedeutet werden. Manche von ihnen haben etwas mit Lyrik zu tun, andere überhaupt nicht.
2022, als meine Künstlerinnerkarriere eine entscheidende Wendung nahm, begann ich, unter Angstzuständen zu leiden. Auf dem Weg zu einer Künstlerresidenz im Vorfeld des Festivals von Avignon träumte ich, ich hätte sechs Zähne, meinen Gaumen und meine Zunge verloren. Seltsamerweise war ich in jenem Traum nicht gestresst. Der Leiter des Theaters, der mich empfing, erklärte ihn mir mit einer Sportmetapher: Ich sei eine Radfahrerin, die bergauf den Gang wechseln müsse, um nicht mitten im Anstieg den Fuß absetzen zu müssen. Mein Verleger David Gianonni, ebenfalls Therapoet benutzte die Worte Instinkt, Lebenskraft, Schutz, Sprache. Ihm verdanke ich eine erhöhte Aufmerksamkeit für die Bilder und Geschichten, die die Nacht überdauern.
Gestern fragte ich eine künstliche Intelligenz, wovon feministische Dichterinnen im Schlaf träumten. Antwort: »Sie träumen oft von Welten, in denen ihre Körper, ihre Sprache und ihre Beziehungen endlich von der Unterdrückung befreit sind und eine andere symbolische Ordnung möglich wird, die gerechter, freier, lebendiger ist. Doch diese Träume sind von Ängsten, Wut und Erinnerungen an Gewalt durchdrungen, sodass Utopie und Klarheit immer Hand in Hand gehen.
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